Salzwasser-Feeling am Bodensee

beim KVW Lehrgang Sicherheit auf Großgewässern

Eine bunt gemischte Gruppe von Wildwasser-, Wander-, und Salzwasserspezialisten traf sich am 8./9. Oktober 2011 für ein Wochenende im Bootshaus des Kanuclub Singen in Iznang am Bodensee. Im Rahmen einer Fortbildung zur Lizenzverlängerung für Trainer C Breitensport des Kanu-Verband Württemberg e.V. standen Sicherheitsaspekten für Kajakfahrer auf Großgewässern auf dem Programm. Für den perfekten Rahmen sorgten die Freunde vom Kanuclub Singen in ihrem Bootshaus im Badischen Iznang. Vortragsraum, Gästezimmer, Küche, alles perfekt. Vor allem durch die freundliche Aufnahme fühlten sich alle Teilnehmer sehr schnell wie zu Hause.

Die eigenen Erfahrungen des Lehrgangsleiters bei Kursen für Küstenwanderer mit Udo Beier an der Nordsee waren der Auslöser, ähnliche Schulungen auch mit angepassten Inhalten im Binnenland anzubieten. Denn speziell im Binnenland orientieren sich die eher wildwasserlastigen Ausbildungsangebote der Vereine häufig wenig an den Bedürfnissen von Interessenten und Mitglieder mit langen Tourenbooten oder Seekajaks.

Großgewässer stehen dem Wildwasser bezüglich Vielfalt der Herausforderungen in nichts nach. Die Bandbreite von Binnenschifffahrtsstraßen über Binnenseen, Revieren im Mittelmeer, der Ostsee und den Tidengewässern der Nordsee oder den Steilküsten in Schottland oder Skandinavien ist riesig und das Zusammenwirken von Wetter, Wind, Wellen, Befahrungsvorschriften, Großschifffahrt, Ausrüstung und dem Können der Kanuten sind bisweilen komplex. Es gibt also genügend Gründe sich mit den Herausforderungen und der Sicherheit bei der Befahrung von Großgewässern auseinanderzusetzen.

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Nach einer kurzen Einführung am Samstag Vormittag wurde ausführlich über die Anforderungen an eine großgewässertaugliche Ausrüstung diskutiert. Denn letztendlich muss die Ausrüstung in allen Teilen eine sichere Fahrt auch bei schwierigen Gewässerbedingungen erlauben und darf bei den Rettungstechniken und beim Wiedereinstieg im tiefen Wasser nicht behindern sondern sie soll diese möglichst optimal unterstützen. Sehr schnell wurde dabei klar, dass so mancher Modetrend bei Booten und Zubehör eher nutzlos bis hinderlich ist.

Als weiterer Schwerpunkt wurde dann auf das Verhalten der Paddler in der Gruppe eingegangen. Insbesondere bei Kaltwasserfahrten ist bei Kenterungen schnelles Handeln angesagt. Nur wenn die Rettungstechniken in der Gruppe beherrscht werden, kann der Gefahr der Unterkühlung wirksam begegnet werden. Bei der Erklärung der Unterkühlungsphasen, Zentralisierung und After Drop wurden verdeutlicht, wie wenig Zeit zum Handeln bei niedrigen Wassertemperaturen bleibt.

Am Nachmittag standen praktische Übung auf dem See im Mittelpunkt. So manche Materialschwäche wurde schonungslos aufgedeckt. Da war einmal eine ungeeignete, schlabberige Decksleine wenig hilfreich oder wurde der Wiedereinstieg durch eine im Süllrand verhakte Schnalle der Schwimmweste verhindert. Auch die Erkenntnis, dass es eine brauchbare Alternative zur Eskimorolle gibt und man auch mit einem Parallel- oder V-Einstieg schneller als gedacht wieder im Boot sitzt, war für viele eine beruhigende Perspektive. Das Lehrgangsziel, nach spätestens 3 Minuten wieder im gelenzten Boot zu sitzen, wurden dann auch von allen Teilnehmern erreicht.

Nach einer kurzen Verschnaufpause wurden die Kursteilnehmer in Sachen Erste Hilfe und Wiederbelebung durch den KVW Referenten für Sicherheit, Thomas Schädler durch seinen interessanten und kurzweiligen Vortrag auf den neuesten Stand gebracht. Die Cardio Pulmonale Reanimation (CPR) konnte an einer Übungspuppe ausgiebig geübt werden.

Nach dem gemeinsamen Abendessen am späten Abend blieb noch genügend Zeit um die Eindrücke des Tages in gemütlicher Runde zu verdauen.

Der Sonntag traf sich die Gruppe wieder vollzählig zur Theorie. Anhand der Wellenbildung in Abhängigkeit von Windstärke, Wassertiefe, Wirkdauer, Wirkstrecke (Fetch) und zahlreichen weiteren Einflußfaktoren wurde die Einstufung der Gewässerbedingungen in Schwierigkeitsgrade (SSG) erklärt. Auch die Interpretation von Seekarten und das Verständnis der darin enthaltenen Regelungen zum Befahren und Betreten bestimmter Wasserflächen wurde am Beispiel des Ostfriesischen Wattenmeer erklärt.

Am Samstag Nachmittag wurden dann zur Abwechslung wieder die Boote bestiegen um bei einer Lehrfahrt vom Bootshaus des KC Singen in Iznang nach Radolfzell das gelernte zu vertiefen. Bug weisende Fahrweise, die Querung von Fahrwassern und das Fahren der Gruppe in Sicherheitsformation wurde diszipliniert umgesetzt.

Auf der sonnigen Terrasse des Segelclub in Radolfzell konnte das Thema der bewussten Ernährung beim Kanufahren bei Cappuccino und Apfelkuchen flüchtig gestreift werden, bevor sich die Gruppe zum Kursende wieder auf den Rückweg nach Iznang machte.

Eberhard Wahl

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