Frauenpower am Dreiländereck

Bericht über einen Wochenendlehrgang für Frauen des EPW (Einzelpaddler Württemberg e.V.) am 26./27. Juni 2010.


Einzelpaddler - der Name sagt es ja schon - sehen sich selten oder nie oder doch?

Damit sich das ändert und etwas Leben in den Verein kommt, hatte Birgit Kellner (Vorstand des EPW) eine besondere Idee: ein Schulungswochenende Kajakfahren auf Zahmwasser bzw. auf leicht fließendem Wasser nur für Frauen schwebte ihr vor.

Im April begann eine telefonische Info- und Einladungsoffensive. Die Reaktionen waren höchst unterschiedlich: von Begeisterung, Neugier, Interesse über zaghaftes Ich-weiß-nicht-recht und totale Ablehnung reichte das Spektrum der Antworten.

Übrig blieben dann vier entschlossene Frauen, wobei leider eine auch noch wegen Krankheit kurzfristig absagen musste.

Frauenpower am DreiländereckUm kurz nach 9 Uhr traf sich die Gruppe auf dem Parkplatz des Wassersportzentrums "Parc des eaux vives" im französischen Hüningen, gegenüber von Weil am Rhein: unser "Leiter" Bernd aus Fluorn, Ruth aus Altensteig und Margot mit Ehemann Herjo aus dem Kreis Böblingen und Annette aus dem Landkreis Heilbronn.

Die Freude auf das gemeinsame Abenteuer, die vorgeschaltete Spielrunde und Bernds ausführliche theoretische Einführungsrunde ließen uns schnell miteinander bekannt und warm werden. Außerdem brannte die Sonne vom Himmel, so dass wir es kaum erwarten konnten, endlich mit Neoprenanzug, Schwimmweste, Helm und Registrierungsnummer in die Boote zu steigen. Wir waren ja alle andere Boote gewohnt: 2er-Canadier, K2 mit Mann und Kinder sowie Langeiner. Gepaddelt haben wir auch alle schon, aber auf anderem Gewässer. Dem entsprechend bewegten wir uns etwas unsicher mit dem ungewohnten Boot. Mit Übungen wie Geradeauspaddeln, Boje umrunden, rückwärts paddeln und Paddelstütz / Paddelhang bekamen wir bald das richtige Fahrgefühl. Dann hieß es aber in die Boote OHNE Paddel! Was hat Bernd denn jetzt vor? „Bloß ein paar Übungen zum Kanten (d. h. Bootsstabilität ausloten), das brauchen wir später“ erklärte er und stieg selber ins knietiefe Wasser. In Einzeltherapie durften wir als Stehaufmännchen in die Schräglage gehen, mit ausgebreiteten Armen und vollem Vertrauen auf den rettenden Stützgriff von Bernd. Die Spannung wuchs. Wann werden wir dieses Kanten einsetzen müssen?

Am Nachmittag kam dann die Stunde der Wahrheit: nach Traversierversuchen im langsamen Strömungsbereich am unteren Ende des Wildwasserkanals ging es über zum Thema "Kehrwasserfahren". Unser Meister demonstrierte das Manöver, alles sieht ja so leicht und elegant aus: aus dem ruhigen Kehrwasser aufwärts in die Strömung, flussabwärts kanten und leichte Paddelstütze, schon ist er wieder bei uns.

Frauenpower am DreiländereckNachmachen, ich fahre also los, hinein in die Strömung, wie war das mit dem aufkanten? Hilfe, mein Boot wackelt, ich wackle dagegen und dann ist alles grün und kühl und blubbert um mich herum. Alles ganz leicht? Ich rette mich ans nahe Ufer, habe Gott sei Dank Boot und Paddel erwischt und werde mit Herjos Hilfe, von der wir alle des Öfteren noch profitieren, an der Ufertreppe in Empfang genommen. "Kanten, in die Kurve legen wie die Motorradfahrer!" – Bernd redet sich mit uns den Mund fusselig.

Am schnellsten kapiert es Margot, Ruth und ich brauchen einfach noch mehr Vertrauen zum Boot. Am Ende des ersten Tages ziehen wir Bilanz: drei Frauen und vier Kenterungen, jede hat's mindestens einmal erwischt, was aber bei den Außentemperaturen von 30° C gut zu ertragen ist und der Freude über die "Erfahrungen" keinen Abbruch tut.

Ähnlich läuft der zweite Tag ab. Am Sonntagmorgen, Dank dem WM-Spiel Deutschland gegen England ist viel weniger Betrieb als am Tag zuvor, wo sich Kollisionen mit anderen Kajak- und Funbootfahrern nicht immer vermeiden ließen.

Wir können wieder unsere Strömungs- und Kehrwasserübungen ungestört wiederholen und kurz vor der Mittagspause haben wir alle Dank der Engelsgeduld unseres Trainers unsere kleinen Erfolgsergebnisse. Wir hatten uns inzwischen ja auch einige Abschnitte flußaufwärts bewegt, da war etwas mehr Dampf drauf.

Die geplante Befahrung des ganzen Kanals haben wir aber dann doch unterlassen. Das wäre zu viel für uns gewesen. Die abschließende Besichtigung und das zuschauen bei den "Experten" machte Appetit auf mehr. Die tummeln sich in den dicksten und schönsten Wellen und Walzen – na ja, üben, üben, üben.

Zum Abschluß gab es noch ein bißchen Kanuliteratur als Appetitanreger und ein feed back zu den zwei Schulungstagen.

Auf der Heimfahrt auf der A 5 gen Norden scheint mir erbarmungslos die Nachmittagssonne auf die linke Backe. Jetzt wäre doch ein kühles Kenterbad gar nicht so übel! Ich bräuchte nur zur falschen Seite kanten, meine Knie schlottern lassen und eine Hand vom Paddel weg und … Ach ja, ein anderes Boot muß jetzt unbedingt her.

Annette Jacob

Banner
Banner
Copyright © 2012 Kanu-Verband Wuerttemberg. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.